Wenn die Leitmedien die Putin-Versteher zu verstehen versuchen
Wäre die Bezeichnung des “Putin-Verstehers” nicht ausgrenzend-negativ belegt, so gäbe es bei dieser Bezeichnung eigentlich nichts zu meckern, da das gegenseitige Verstehen die Basis ist, sich überhaupt auf etwas gemeinsames zu einigen.
Der FAZ-Beitrag widmet sich vielen Aspekten unserer Zeit, ich möchte diesen Mix auf ein paar Wesentliche beschränken, da alles andere nach meiner Ansicht den eigentlichen Kern verzerrt.
Unsere (westliche) Gesellschaft befindet sich im Umbruch. Diesen Umbruch hat Russland bereits vor knapp 25 Jahren einleiten müssen. In der ersten Welle des Umbruchs sah es für Russland nicht gut aus. Zu viele westliche Werte schwappten ins Land, was zu einem Ausverkauf des Volksvermögens führte. Das Ergebnis kennen wir zur Genüge, besagte Oligarchen gewannen an Macht und Einfluss, das Volk verarmte. Putin war der erste, der durch das Gewaltmonopol die sich abzeichnende Entwicklung erkannt hatte und dieser Gegensteuerte.
Hätte Putin stets nach allen Regeln gespielt, so wäre er gar nicht so weit gekommen, da die notwendige Zeit, einen solchen Kurs angemessen – d.h. nicht in Cowboy-Manier mit der Brechstange – umzusetzen, mehr als eine oder zwei Wahlperiode/n benötigt.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Staatsverschuldung ging deutlich zurück und das Volk kann auf ein vielfaches des BIP zurückgreifen wie noch nach der Wende.
Das ruhige, besonnene Vorgehen von Putin – sei es bei der Frage der Krim-Zugehörigkeit oder den westlichen Wirtschaftssanktionen – wirkt auf mich mehr als Beeindruckend. Wohl daher, dass unsere Verteidiger der westlichen Werte diese Probleme bisher immer anders gelöst hatten, was nicht zuletzt viele Tote und ein unermessliches Leid zur Folge hatte.
Putin führt sein Volk daher souverän und mit klaren, verlässlichen Zielen in eine neue Zukunft. Ganz anders die politischen Führer des Westens. Es ist nicht nur so, dass der latente Krieg stets ins Bewusstsein der Menschen gerufen wird, was bei vielen Angst und Lähmung erzeugt. Vielmehr ist es die Tatenlosigkeit oder das halbherzige Eingreifen, was verwundert.
Wir haben im Westen mehr akute Probleme als uns lieb sind, aber keine politische Führung, die ähnlich Charakterstark ist, wie Putin in Russland (selbst ein Hr. Draghi sagt bereits öffentlich, dass er mit seiner Geldpolitik der Politik nur Zeit verschaffen kann. Die Politik diese aber bisher untätig verstreichen lassen hat). Lieber retten unsere Politiker ihre zukünftige wirtschaftliche Unabhängigkeit durch Gefälligkeiten der Industrie, statt ihrem Volksauftrag nach zu kommen. Es ist erschreckend mit anzusehen, wie viele Politiker direkt in die Lobbyzentralen der Industrie wechseln und dabei nicht den Glauben an die Politik zu verlieren.
Es ist vielmehr der Charakter und die bedingungslose Bereitschaft eines Putins sein Volk in eine bessere Zukunft zu führen, die mich beeindruckt. Wenn man dabei berücksichtigt, welche Mittel er dazu zur Verfügung hat und welche er letztendlich gewählt hat, kann ich so manches Vorgehen aus Sicht von Russland tolerieren. Ich möchte mir z.B. nicht vorstellen wo wir heute wären, wenn Putin nicht so souverän die Krim aus dem Schlachtfeld genommen hätte. Der Zweck heiligt niemals die Mittel – bei der aktuellen Spielweise des Westens war es aber ein guter Schachzug.
Wenn also der Wunsch, nach einer westlichen Führung, die ähnlich souverän wie Putin agiert, mich zum Putin-Versteher mach, so trage ich dies Bezeichnung gerne. Ich bin dabei zumindest so Realist, dass dies in Deutschland wohl noch einige Jahre dauern kann – aber zumindest träumen kann man ja heute schon 
Die Dinge sind nie so, wie sie sind. Sie sind immer das, was man aus ihnen macht.
(Jean Anouilh)
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